Sonntag, 23. Februar 2014

Geologie und Field Trips

Geologie und Field Trips


 

Geologie

Ich bin ja nicht nur zum Spaß hier, deshalb schreibe ich Euch an dieser Stelle warum Oman vor allem für Geologen ein Paradies ist. Wer nicht so viel lesen will: Einfach auf die Bilder klicken ;-)
Wegen des ariden Klimas und der lückenhaften Vegetationsdecke sind die Gesteine hier großflächig aufgeschlossen und können sehr gut untersucht werden. Außerdem ist es einfach schön die gewaltigen Berge mit tief eingeschnittenen Wadis, oder schön geformte Sanddünen zu erkunden. In nahezu jedem Reiseführer gibt es Kapitel über die Geologie Oman, weil man blind sein muss um sich davon nicht beeindrucken zu lassen.
Die geologische Geschichte reicht in Oman 800 Millionen Jahre zurück und beginnt damit bereits im Präkambrium, dem ältesten Erdzeitalter. Charakteristisch für die Geologie Omans sind die mehrere Kilometer mächtigen Kalkschichten, die man fast überall antreffen kann und aus dem auch der höchste Berg der arabischen Halbinsel besteht (Jebel Shams, 3006 m).
Was den Oman allerdings weltweit absolut einzigartig macht, ist ein geologisches Ereignis was vor 90 - 70 Millionen Jahren passierte. Dabei schob sich nämlich die ozeanische Kruste mit Teilen des darunterliegenden lithosphärischen Mantels auf die kontinentale Kruste. Normalerweise passiert das genau andersrum, weil die ozeanische Kruste eine höhere Dichte besitzt; Es gibt verschiedene Theorien dazu, warum das in Oman so eben nicht passiert ist, die hier kurz beschrieben werden.
In den 20 Millionen Jahren schob sich jedenfalls 500 km der Lithosphäre und ozeanischer Kruste mit der beachtlichen Geschwindigkeit von 2,5 cm/Jahr auf die kontinentale Kruste und erreichte dabei eine Mächtigkeit von 16 km. Stellt Euch das bitte einmal bildlich vor: genau jetzt!

Krasse Story oder?

Da man keine Bohrungen in den Erdmantel durchführen kann, weil es irgendwann zu warm und flüssig wird, bietet dieser Ophiolith eine tolle Möglichkeit Forschungen über die ozeanische Kruste und den Erdmantel durchzuführen.

Weil Oman diese großartigen Möglichkeiten besitzt draußen zu forschen, ist der Studiengang Applied Geosciences auch stark geländebasiert. Das gab mir im letzten halben Jahr die tolle Möglichkeit 29 Geländetage quer durch alle Semester mitzumachen. Das heißt einen Monat war ich eigentlich nur unterwegs, und das mit einem Betreuungsverhältnis von dem man in Deutschland nur träumen kann. 
Anders als ich es gewohnt bin, fährt man nicht mit Bus und Bahn und schläft in Jugendherbergen oder unter freiem Himmel. Nein, in der Regel werden jede Menge Geländewagen gemietet mit denen man offroad durch Landschaft fährt und Abends schläft man schön in einem Hotel.

Field Trips

Der größte Trip war ein 10 tägiger Kartierkurs in Duqm in der Huqf Region, wo wir eine Domstruktur in präkambrischen Gestein kartieren sollten. Das bedeutet bei über 30° Celsius durch die gleißende Sonne zu laufen, Gesteine zu identifizieren und Strukturen einzumessen. Abends konnten wir dann im 4 Sterne Hotel entspannen.

Das war ein Teil unseres recht unwirtlichen Kartiergebietes.

Sehr schön gefärbter Dolomit.


Perfekte Schrägschichtung wie aus dem Lehrbuch. Diese Strukturen entstanden durch Ablagerung von Sand in strömendem Wasser.


Diese Strukturen sind Stromatolithe, welche als die ältesten bekannten Fossilien gelten.


Wunderschön aufgeschlossene Schichtfolge. Eine bessere Möglichkeit Gesteine, in der Reihenfolge in der sie abgelagert wurden zu identifizieren und zu beschreiben gibt es kaum.
Diese Tiere findet man beim Kartieren in Deutschland selten. Hier kam es häufig vor, dass Kamele unser Gebiet kreuzten.

Außerdem gab es auch solche Reptilien zu sehen

Insgesamt waren das eineinhalb Wochen die viel Spaß gemacht haben und in denen man sehr viel über Feldarbeit und Kartieren lernen konnte.
Die folgenden Bilder sind gemischte Aufnahmen von weiteren Field Trips.

Hier haben wir verschiedene Methoden ausprobiert um den Oberflächenabfluss in einem Wadi zu messen.
Dieses Bild mag unscheinbar erscheinen, allerdings ist dieser Ort eine Sehenswürdigkeit für die der Oman unter Geologen weltbekannt ist. Und zwar kann man hier eine Grenze zwischen hellem und dunklem Gestein erkennen. Diese Grenze wird Mohorovičić-Diskontinuität (kurz Moho) genannt und markiert die Grenze zwischen Erdmantel und Erdkruste. Dieses Gestein ist nämlich genau die Lithossphäre die, wie anfangs beschrieben, vom Ozean aus auf die kontinentale Kruste geschoben wurde.


Die nächsten Bilder kommen von einem einwöchigen Field Trip, wo wir mit drittsemestlern entlang der Küste verschiedene spots angeschaut haben.

Dieser Einsturztrichter entstand dadurch, dass der Kalkstein im Untergrund durch Wasser gelöst wurde und die dadurch geschaffene Höhle einstürzte.


Das war die Unterkunft, in der wir nach arbeitsreichen Tagen unsere verdiente Ruhe genießen konnten.

...deshalb ist es gut in diesem Land einen Geländewagen zu haben. Ansonsten kommt man an viele spots gar nicht heran.

Mein Wagen nach dem zweiten Tag auf Exkursion.

Der flächenmäßig größte Teil des Landes sieht aus wie auf den nächsten Bilder: trostlose, trockene, weite Landschaften, die allerdings regelmäßig durch wunderschöne Sehenswürdigkeiten unterbrochen werden.


 
Mitten in der Wüste haben wir solche großartigen, fossilienreiche Gesteinsschichten gefunden. Das weniger resistente Gestein wurde an diesem Handstück durch stetigen Wind zusammen mit Sand "weggeschmirgelt", sodass die resistenteren Fossilien besonders hervorstechen.


Hier stehen wir auf einer traumhaften Sterndüne, die mitten aus der flachen Kieswüste hervorsticht.

Direkt neben dieser Düne liegt unser idyllischer Campingplatz.


Die letzten Bilder gaben einen Eindruck davon, wie wertvoll frisches Wasser in der Wüste ist. Auf den Fotos sieht die Landschaft eindrucksvoll aus, allerdings wirkt diese schöne, jedoch lebensfeindliche Landschaft nach einiger Zeit äußerst frustrierend. Es ist unglaublich ermüdend eine Ebene lang zu fahren, in der man nichts außer Kies, Sand und ab und zu getrocknetes Salz sieht. Dazu kommt irgendwann durch den Sand verursachtes Knirschen im Mund und eine Sand- und Salzschicht, die über dem Gesicht liegt. Ohne Satellitentelefon ist es außerdem lebensgefährlich mit dem Auto liegen zu bleiben, weshalb es sehr beruhigend ist nach Stunden im Nichts wieder auf eine asphaltierte Straße zu kommen.

Das waren wieder ein paar Impressionen von meinem Leben hier unten. Ich hoffe ich konnte Euch zeigen, warum es sich auf jedenfall lohnt Geologie zu studieren und im Idealfall dann ein Auslandssemester zum Beispiel in Oman zu machen; Mir macht es jedenfalls unglaublich viel Spaß! Leider ist diese Zeit auch langsam vorbei, denn am 11.3. geht mein Rückflug nach Deutschland.  Bis dahin werde ich das Land noch etwas bereisen, vielleicht gibt es dann auch noch einen letzten Eintrag hier auf diesem Blog.

Zum Abschluss gibts noch ein Video was zeigt wie es hier aussieht, wenn es mal einen halben Tag geregnet hat:



Liebe Grüße und bis Bald!

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